Anfang des Jahres 2007 erreichte Herrn Prof. Dr. Thomas Jocher, Direktor des Instituts Wohnen und Entwerfen der Universität Stuttgart, die Anfrage, sich an einem Workshop für energieeffizientes Bauen und nachhaltige Stadtplanung in China zu beteiligen.
Angesichts des großen Interesses unseres Institutes an einem fachlichen und auch kulturellen Austausch zwischen Deutschland und China fiel die Entscheidung zur Teilnahme nicht schwer. Kurze Zeit später stand das Team: Neben der Universität Stuttgart nahmen aus Deutschland auch noch die Universitäten München, Darmstadt und die Hochschule Hildesheim teil.
In mehreren Abstimmungsgesprächen wurde das im Workshop zu untersuchende Gebäude festgelegt: ein Bestandsgebäude auf dem Campus der Dongnan Universität Nanjing. Dieses soll im Hinblick auf Nutzungsänderung unter Beachtung bautechnischer, bauphysikalischer und energetischer Belange ertüchtigt werden. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen etwa 50 Jahre alten, monofunktionalen Betonskelettbau mit Seminar- und Lehrräumen in einem bauzeittypischen Standard, wie z. B. einfach verglasten Fenstern oder ungedämmten Außenwänden. Da es am südlichen Haupteingang zum Campus liegt und sich genau gegenüber der Hauptbibliothek der Dongnan Universität befindet, haben wir das Gebäude in eine Art internationales Begegnungszentrum für Studenten und Gastwissenschaftler gewandelt.
In variablen, hochflexiblen und in der Flächenzuteilung an die jeweiligen Bedürfnisse anpassbaren Grundrissen werden nun die unterschiedlichsten Funktionen angeboten, von einer Workshopbibliothek, über Studios, bis hin zu kleinen Wohneinheiten für Gastwissenschaftler in den oberen Etagen. Solare Pufferzonen fördern über ihre Offenheit die für uns essentielle Kommunikation in einem solche Gebäude. Abgerundet wird das Ganze durch Details wie z. B. die Schaffung eines behindertengerechten Zugangs.
Ziel des Workshops ist es, mit einer internationalen und interdisziplinär arbeitenden Gruppe in enger Zusammenarbeit Lösungsansätze zu erarbeiten, die es ermöglichen, auch ältere Bestandsgebäude mit adäquaten und für China realistischerweise umsetzbaren Mitteln einer neuen Nutzung zuzuführen und zugleich energetisch zu optimieren. Die Unterbringung der deutschen und chinesischen Studenten und Lehrkräfte auf dem Campus haben den Teamgeist und die Kommunikation sehr gefördert und somit die Überwindung kultureller Barrieren beschleunigt.
Ergänzt wurde unsere Workshoparbeit durch Exkursionen auf Baustellen und zu ersten Pilotprojekten zu Energieeffizienz.Wir konnten ohne Mühe Gebäudebesichtigungen durchführen oder Detaildiskussionen direkt vor Ort erledigen. Dies war von erheblichem Vorteil für die gegenseitige Verständigung und trug wesentlich zum positiven Verlauf des Workshops bei. Unsere Gruppe hat sich schnell mit den zugeteilten chinesischen Studenten zusammen gefunden, und die gemeinsame Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert!
Nachhaltigkeit und sehr hohe Erkenntnisgewinne ergeben sich nach unserer Feststellung bei architektonischen Entwürfe nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit mit fachübergreifenden Disziplinen. Dieses Ziel wurde mit einem guten Ergebnis, viel Elan und Freude an der Sache erreicht. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Möglichkeit, an diesem Workshop mitwirken zu dürfen und würden es sofort wieder tun!