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Wandel à la Ruhrpott 
Industriestädte in Nordost-China
Datum: 21.Jul. 2009    
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Schlagworte: Station Shenyang    Strukturwandel    Ruhrgebiet    
 
In Dongbei wird eine Megacity für 22 Millionen Einwohner geplant – viermal so groß wie das Ruhrgebiet. VON SVEN HANSEN

SHENYANG/FUSHUN/BENXI taz | Von der nordostchinesischen Provinzhauptstadt Shenyang ins benachbarte Fushun sind es nur 40 Kilometer. Doch die Fahrt in nordöstlicher Richtung geht um gefühlte zwanzig Jahre in die Vergangenheit.

Die vor modernen Hochhäusern strotzende 7-Millionen-Stadt Shenyang endet mit einem im Bau befindlichen, „International City“ genannten Viertel. Der Bauzaun verspricht Luxus mit gemalten Szenen von Swimming Pools und Shopping. Daneben wartet ein gerade vollendeter Gewerbepark mit Gebäuden aus Glas und Stahl auf Investoren. Dann verengt sich die Straße schlagartig von zehn auf vier Spuren. Am Straßenrand tauchen karge Felder und marode Backsteinhütten auf, die einen bis zur Stadtgrenze von Fushun begleiten. Die Zweimillionenstadt grüßt mit alten Fabriken und grauen Wohnblocks. Von den auf dem Weg ins Zentrum immer zahlreicher werdenden Plattenbauten werden die ersten bereits abgerissen.

In Fushun stinkt es nach Chemie und verbrannter Kohle. Plötzlich schaut man in ein gigantisches Erdloch. Mehr als sechs Kilometer lang, zwei Kilometer breit und vierhundert Meter tief. In der „Tagebaugrube West“ wird seit 1914 Kohle abgebaut. Aber: „2017 ist Schluss“, sagt Ingenieur Tong Hong Lu vom staatlichen Tagebau West. „Eine von Fushuns vier Minen ist schon erschöpft.“ Trotz der Krise sei beim Tagebau West keiner der 4.000 Mitarbeiter entlassen worden, so Tong. Stolz trägt er das Parteiabzeichen an seiner grünen Arbeitsjacke. Die Mine versorge noch 10.000 pensionierte Arbeiter, sagt er. Kindergärten und Schulen seien schon der Stadt übertragen worden.

Die Schwerindustriestädte in Chinas Rostgürtel genanntem Nordosten erleben inzwischen einen ähnlich tiefgreifenden Strukturwandel wie ihn das viel kleinere deutsche Ruhrgebiet schon hinter sich hat.

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