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Interview: Markus Heinsdorff - Aus Alt mach Neu - Bauen mit Bambus
Datum: 12.Mai 2008    
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Schlagworte: Station Chongqing    Markus Heinsdorff    Bambus    Bambuspavillons    Öffentlicher Raum    
 

Vor mehr als 10 Jahren machte der Installationskünstler Markus Heinsdorff erste Ausstellungen in China. Einer seiner Hauptwerkstoffe ist Bambus. Heinsdorff ist gestalterischer Leiter der Deutschlandpromenade und Gastprofessor in Nanjing.

Was reizt Sie als Künstler an China?

In meiner Arbeit als Installationskünstler habe ich großes Interesse an der Kunst, den Sichtweisen und Gestaltungen anderer Kulturen. China spielt durch seine historischen Kulturschätze und die gegenwärtige Kreativität und Aufbruchstimmung eine besondere Rolle.

Was ist das Installations-Konzept der Deutschlandpromenade?

Ich habe mir anfangs die Frage gestellt, wo die kulturellen Unterschiede dieser beiden Nationen liegen und wo sie Berührungspunkte haben. Von deutscher Seite kann man Technologie, Präzision und Nachhaltigkeit einbringen, von chinesischer Seite, zum Beispiel, die hoch entwickelte Kunst des Webens. Für die Deutschlandpromenade habe ich diese Eigenschaften miteinander verbunden. Entstanden sind Bambuspavillons als High-Tech-Membranbauten mit gewebten goldenen Fassaden.

Gab es besondere Herausforderungen bei der Platzgestaltung in Chongqing?

Chongqing ist eine Herausforderung: auf der einen Seite befindet sich ein historisierender Platz mit seiner über allem thronenden Volkshalle, auf der anderen die modern anmutende zweite Platzhälfte mit dem Yangtse-Museum. Da es ein Platz vom Volk für das Volk ist, und entsprechend von vielen Chinesen zu jeder Tageszeit genutzt wird, sind damit auch der Gestaltung Grenzen gesetzt.

Warum haben Sie sich für den Baustoff Bambus entschieden, der in China oftmals eher als Symbol rückständiger Bautechnik gilt?

Die Wahl auf den Baustoff Bambus fiel im Bezug auf asiatischen Traditionen. Gleichzeitig entspricht dieses Baumaterial zu 100 Prozent den zukünftigen Fragen in Bezug auf Umwelt und Urbanität, Nachhaltigkeit und Ressourcen. Für manchen mag es provokativ wirken, wenn wir als Ausländer mit einem für Chinesen rückständigen Material arbeiten. Aber gerade hierin liegt die Herausforderung – zu zeigen, dass mit einem geringen Energieaufwand hochwertige und umweltfreundliche Bauten entstehen können, die eine sehr moderne Sprache sprechen.

Was zeichnet Bambus als Baumaterial aus?

Es wächst schneller, als jede andere Pflanze in der Welt. Bambus ist extrem hart und elastisch, vielseitig verwendbar, witterungsbeständig und winterfest – also ökologisch höchst sinnvoll.

Wie reagieren Chinesen darauf, ihr traditionelles Baumaterial in einem neu-interpretierten Kontext zu sehen?

Die Reaktionen sind vielfältig und sehr gegensätzlich. Grundsätzlich kann man von einer großen Anteilnahme ausgehen. Ich beurteile das durch die Zahl universitärer Vortragseinladungen und Bambus-Workshops in China.

Sie sind Gastprofessor an einer Nanjinger Uni. Was bringen Sie den Studenten dort bei?

In den Workshops mit Studenten beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie Bambus in der aktuellen Architektur und Kunst eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse werden in der parallel zur Deutschlandpromenade laufenden Bambus-Pavillon-Ausstellung gezeigt. Ich versuche, die Studenten für das Einfache und Natürliche zu begeistern.

Welche Bedeutung hat für Sie der öffentliche Raum als Künstler, aber auch als Bewohner einer süddeutschen Großstadt?

Als Künstler beschäftige ich mich vor allem mit Projekten für den öffentlichen Raum. Oft fallen gerade in Ballungsgebieten großer Städte schwere Gestaltungsmängel auf. Da unterscheidet sich eine Kleinstadt wie München wenig von der weltgrößten Stadtregion Chongqing. Der öffentliche Raum, sein Erscheinungsbild sowie seine Funktion sind für unser Wohlbefinden ebenso wichtig wie der private.
Bei der Deutschlandpromenade wird mit der Gestaltung versucht, den öffentlichen Raum in den Fokus zu stellen. Durch die selbst leuchtenden Pavillons entsteht bei Nacht eine heimelige Dorfplatzsituation, umgeben von Hochhäusern und Lichtreklamen. Dieser Gegensatz provoziert Fragen nach der Gestaltung zukünftiger Lebensräume.

 
 
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