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Von Matthias Mersch
Die Förderung des Jugendaustauschs ist ein neuer Schwerpunkt in den Beziehungen zwischen China und Deutschland. Nanjing lieferte ein Beispiel für die Begegnung junger Chinesen mit jungen Deutschen bei kreativer Arbeit an einem gemeinsamen Projekt.
Professor Stefan Meyer-Miethke von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) leitete von Mai bis Oktober 2007 in Nanjing einen insgesamt sechswöchigen Workshop mit jeweils achtzehn chinesischen und deutschen Architekturstudenten.
Das Thema war klar: Ein Platz im Zentrum von Nanjing zwischen dem alten Präsidentenpalast und der neuen Bibliothek sollte gestaltet werden. Allerdings eher als eine Trockenübung: Denn der Platz war gerade fertig gestellt worden, eine Neugestaltung erübrigte sich also. Dem Enthusiasmus der Studenten tat dies keinen Abbruch. Übung macht den Meister, und es ist das Schicksal auch des ausgewachsenen Architekten, dass seine Wettbewerbsbeiträge meist nicht realisiert werden.
In China ist alles im Fluss. Ein Platz aber ist ein Platz, eine Aussparung, eine Lücke im sich schnell verändernden Raum chinesischer Städte. Die Studenten arbeiteten über den vielzitierten „öffentlichen Raum“. Einen Platz zu gestalten setzte im Workshop ein Forschen über das Funktionieren und die Möglichkeiten des öffentlichen Raums voraus. So kam es, dass der Professor seine Studenten erst einmal auf den Platz setzte, bevor es ans Entwerfen ging. Jeder Student musste eine Nacht auf dem Platz verbringen und tagsüber Passanten nach ihren Gewohnheiten befragen: Wie nutzen Sie den Platz, halten Sie sich gerne hier auf? Ist es Ihnen angenehm oder unangenehm, den Platz zu überqueren? Wann gehen Sie auf den Platz? 24 Stunden des Beobachtens und der Selbstbeobachtung. Was ist der Platz, und welche gestaltenden Eingriffe wären ihm und den Bürgern der Stadt zuträglich?
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